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Das Absolute bewährt sich an der Gewissheit der Mathematik

Zwischen 1991 und 2007 habe ich zum Themen "Experimentalfilm und Neue Medien" zahlreiche Vorträge, Artikel und auch Filmprogramme veröffentlicht.
Der folgende Katalogsbeitrag entstand aus meiner Beschäftigung mit dem Thema "Der Absolute Film", das ich bereits 1990/91 mit dem theoretischen Teil meiner Diplom-Arbeit begonnen hatte.

Dieser Film ist zum ersten Mal Film!

Am Sonntag, dem 3. Mai 1925, fand im Ufa-Theater auf dem Berliner Kurfürstendamm vormittags um 11. 30 Uhr die legendäre Matinee ‚der absolute film‘ statt, organisiert von der Novembergruppe und der Kulturabteilung der Ufa. Die ursprünglich als ‚einmalig‘ geplante Veranstaltung wurde eine Woche später wiederholt. Eine dritte Vorführung fand am 22. Mai 1925 abends in Hannover auf Einladung der Kestner-Gesellschaft nach einem einführenden Vortrag von Friedrich Vordemberge-Gildewart statt. Zur Aufführung kamen sieben Filme und ein Lichtspiel. (mehr …)

Tunzenberg

Ein Buch- und Filmprojekt als Collage auf der Grundlage von 250 Tage- und Arbeitsbüchern des Münchner Psychiaters Wolf-D. W., die geschrieben wurden zwischen 1960 und 2015.

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Im Arbeitszimmer

Der folgende Text ist eine der Kurzerzählungen, verfasst auf der Grundlage der Arbeitshefte von W.-D. W. aus dem Jahr 1970.

Er ist der eigentliche innere Gesprächspartner meiner geistigen Welt, auch wenn die Ansichten über diese in Einzelheiten divergieren
W.-D. W. , aus: Außer mir. S. 109 (mehr …)

Hochhaus

Diese Collage aus Bewegtbildern war der erste, wirklich durchkomponierte Einsatz einer Montagetechnik mit Filmmaterial, die der Grundstein für meine gestalterischen Auffassungen ist, erarbeitet mit zahlreichen Fotografien und Materialcollagen in den Jahren zuvor. Im Grunde habe ich daran seit meinem 15. Lebensjahr gearbeitet.

Thema ist zunächst die Umsetzung architektonischer Motive einer HOCHHAUS-Fassade (damals BfG-, heute Europa-Tower) in Klang und bewegtes Bild mittels fotografischer Prozesse, aber ohne Filmkamera. Dafür wird eine Sequenz von fünf 35mm-Fotonegativen hergestellt, deren Länge entspricht einer Sekunde 16mm Film. Diese Negativ-Sequenz wird durch fotokopieren und negativ-positiv-spiegeln vielfach dupliziert. Die verschiedenen Sequenzen werden auf zusammengeklebt und ergeben den auf diese Weise den Kernfilm aus Papier (Bild oben: Originalvorlagen der Bildstreifen aus Papier 1996) (mehr …)

Signalstörung – ein Fragment

Dieser Text wurde 1996 als bestes Drehbuch mit dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnet

Einleitung

Der Titel Signalstörung ist einem Satz entnommen, mit dem per Lautsprecher der Zugführer eines ICEs einen technischen Ausfall und den damit verbundenen Stillstand des Zuges auf offener Strecke entschuldigte. Während der Zug für eine ganze Weile nicht fahren konnte, drehten sich die gewohnten Verhältnisse gleichsam um: Stillstehend wurde der Zug zum unbewegten Teil einer Landschaft, die von den Reisenden ansonsten als vorbeiziehende erlebt werden würde, während wir Passagiere, die ansonsten uns selbst während einer Fahrt subjektiv als unbewegt erleben, nunmehr unruhig wurden, uns bewegten, liefen, suchten. Diese Unruhe endete erst, als der Zug weiter fuhr, somit die gewohnte Ordnung wieder hergestellt worden war. (mehr …)

Ré Soupault

Der folgende Artikel basiert auf einem mehrstündiges Interview, dass der Autor seinerzeit in Begleitung von Frau Ursula Graeff-Hirsch und Dr. Peter Stasny mit Rè Soupault führen konnte. Das vollständige Gespräch wurde auf Band aufgezeichnet und befindet sich analog wie digital im Besitz und Eigentum des Autors. Alle Rechte an Text, Bildern und deren Verwertung liegen beim Autor.

Eine Frau allein gehört Allen

erschienen in epd Film, Ausgabe 1/96, S. 20-26

Paris, Oktober 1995

Die Wohnung am Bois de Boulogne hat zwei Zimmer, eine Küchennische und einen kleinen Vorraum. Das Wohnzimmer hinter dem Vorraum ist einfach eingerichtet, mit Möbeln aus diversen Jahrzehnten. Ein Druck von Johannes Itten an der Wand. Bücher und Akten überall. Das einzige Fenster im Raum öffnet sich auf einen weitgefassten Innenhof.

Der Blick geht weiter in den zweiten Raum, der Schlafzimmer, Arbeitszimmer und Waschraum zugleich ist. Auffällig ein großer Kassettenrecorder. Re Soupault ist seit einigen Jahren altersblind und korrespondiert nur noch per Audiokassetten. Trotz dieser Einschränkung arbeitet sie täglich an einem neuen Fotoband und der Veröffentlichung ihres Tagebuchs. (mehr …)