DomRömer – der gebaute Diskurs

Wie in nur wenigen Städten prägt divergente Architektur auf dichtem Raum das Bild Frankfurts. Hochhaustürme ziehen das Zentrum der Stadt in die Höhe, verschmelzen zu einer spiegelnden Skulptur, deren Sockel in niedrig-kleinteilige Geschäftshäuser und Grünanlagen weiträumig ausläuft, wo noch bis zum Ende des 2. Weltkriegs Europas größte zusammenhängende gotische Altstadt stand.

Drehbuchförderung durch Hessenfilm und Medien 2019/2020

Ein kleiner Teil davon wurde nun als Dom-Römer-Projekt neu erdacht; was wie eine historische Rückschau erscheint, ist tatsächlich moderne Architektur, die in Verbindung mit traditionellem Bauhandwerk das Neue nicht einfach an die Stelle des Alten setzt, sondern das Alte in das Neue wandelt. Am außergewöhnlichen Motiv der Neuen Frankfurter Altstadt will ich mit dem Essayfilm »DomRömer – der gebaute Diskurs« das Verhältnis von dynamischen Strukturen und subjektiven Positionen sichtbar machen.

Ich begann meine Arbeit mit der Überlegung, wie es möglich war, dass sich die unterschiedlichsten Personen mit ihren bisweilen voneinander abweichenden Ansichten auf ein so anspruchsvolles und aufwändiges Projekt verständigen konnten. In zahlreichen Gesprächen mit Beteiligten aus Politik, Presse, Denkmalpflege und Architektenschaft wurde mir bewusst, wie wichtig es war, dass die verantwortlichen Personen jeweils ein eigenes, möglichst persönliches Verhältnis zum Dom-Römer-Projekt entwickelten konnten und sich dieses komplizierte und anspruchsvolle Projekt über die weitgehend geregelte offizielle Kommunikation organisatorischer Abläufe hinaus zu eigen machten.

Porträtgespräche

Um diese sehr persönliche Ebene erfassen und darstellen zu können, bat ich zunächst zehn Fachleute unterschiedlichster Disziplinen, die am Zustandekommen des Dom-Römer-Projekts maßgeblich beteiligt waren, mir jeweils auf dem Hintergrund ihrer Biografien über die Entstehung der Neuen Frankfurter Altstadt zu berichten.

Aus diesem Material habe ich bis heute sechs Porträts herausgearbeitet, die in der Form persönlicher Erzählungen ihren Anteil am das Projekt aus unterschiedlichen Perspektiven beschreiben, im Sinne Michel Foucaults als „ein sich aus Sprache entwickelndes Verständnis von Wirklichkeit einer Kultur oder Epoche“. Das vorliegende Material von vier weiteren Porträts steht zur Bearbeitung an.

Im Film steht jedes Porträt für eine andere Perspektive, mit der Methode der Collage die Erzählung von persönlicher Annäherung und Aneignung zum Bild werden. Eine Montage, in der unter anderem Stadterkundungen der Porträtierten mit Filmmaterialien aus familiären Besitzständen, Fotografien und historischem Filmmaterial der Stadtgeschichte kombiniert werden.

Die Auswahl der Personen selbst beschränkt sich zunächst auf jene, die für das Zustandekommen der Neuen Frankfurter Altstadt unmittelbar maßgeblich waren; die Reihenfolge orientiert sich pragmatisch am zeitlichen Auftreten der Funktion, welche die betreffende Person für die Entwicklung des Dom-Römer-Projekts hatte: Politik – Organisation – Gestaltung:

  • Olaf Cunitz, Historiker, 2012 bis 2016 Bürgermeister und Dezernent für Planen und Bauen von Frankfurt. In Vertretung des Oberbürgermeisters Aufsichtsratsvorsitzender der DomRömer GmbH. Gespräch am 15. April 2021.
  • Uli Baier, Stadtrat, stellv. Stadtverordnetenvorsteher, Mitglied des Ausschusses für Planen und Bauen; Vorsitzender des Sonderausschusses Dom-Römer. Gespräch am 13. April 2021.
  • Uwe Becker, Bürgermeister und Kämmerer der Stadt Frankfurt, Beauftragter der Hessischen Landesregierung für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus. Gespräch am 22. März 2021.
  • Michael F. Guntersdorf, Projektleiter, Architekt und Stadtplaner, von 2009 bis 2018 Geschäftsführer der DomRömer GmbH. Gespräch am 20. April 2021.
  • Marc Jordi, Architekt, Zeichner und Bildhauer. Zusammen mit Susanne Keller als „Jordi & Keller Architekten“ verantwortlich für die Häuser Markt 8 „Großer Rebstock“ und Markt 40 „Zu den drei Römern“. Gespräch am 7. April 2021.
  • Susanne Keller, Architektin. Zusammen mit Marc Jordi als „Jordi & Keller Architekten“ verantwortlich für die Häuser Markt 8Großer Rebstock“ und Markt 40Zu den drei Römern“. Gespräch am 7. April 2021.
  • Christoph Mäckler, Architekt und Stadtplaner, Vorsitzender des DomRömer-Gestaltungsbeirats.
    Gespräch am 12. März 2021.
  • Dominik Mangelmann, Bauingenieur aus Offenbach, dessen Diplomarbeit im Jahr 2004 die Diskussion um die Bebauung des Römers maßgeblich befördert hat. Gespräch am 12. April 2021.
  • Wolfgang Siefert, Stadtrat, Aufsichtsratsmitglied der DomRömer GmbH. Gespräch am 20. April 2021.
  • Claus Wolfschlag, freier Autor, formulierte Jahr 2004 den initialen Antrag der BFF zur Altstadtbebauung.
    Gespräch am 19. März 2021.

Begonnen im August 2019 wird das Projekt bereits mit Mitteln der Hessischen Filmförderung für die Drehbuchherstellung gefördert. Die erste Buch-Fassung vom April 2021 enthält eine Auswahl von zunächst sechs Texten, die in der Art einer Kurzgeschichtensammlung geordnet sind und hier in Folge wiedergegeben werden.

Werkbuch 2. Fassung, April 2021

Thomas Mank, April 2021